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Offener Brief an alle Verantwortlichen

Mulch-Wahn und Ordnungsliebe zerstören unsere Natur

Mulchen nennt man es, wenn an Straßenrändern heutzutage gemäht wird, das bedeutet schneiden, kleinhäckseln und liegenlassen zum Verrotten.

Das, was im Gemüsegarten vielleicht Sinn macht, weil man den Boden mit Nährstoffen anreichern will bedeutet auf Freiflächen und an Wegrändern, dass alles kleingehackt wird, was den Ordnungssinn stört und nicht fliehen kann.

Wer denkt an die unzähligen Kleintiere? Kröten, Eidechsen, Insekten in allen Stadien ihres Lebens, Blumen in voller Blüte, auch junge Vögel und Hasen erwischt es manchmal, gar nicht zu reden von all den Plastiktüten, Dosen und Flaschen, ja selbst Betonstücke oder Grenzsteine. Sie werden zerkleinert, verbleiben aber trotzdem als Schadstoffe in der Natur und können so viel leichter verbreitet oder aufgenommen werden.
Wir Bürger finanzieren diesen Großangriff auf die Artenvielfalt mit unserem Geld. Diese teuren und völlig unsinnigen Maßnahmen werden hoffentlich nur aus Unkenntnis über die ökologischen Zusammenhänge getätigt und sollten sofort gestoppt werden.
An dieser Stelle gäbe es tatsächlich eine Möglichkeit, sofort etwas gegen das Artensterben zu tun was noch nicht einmal etwas kostet sondern Zeit und Maschinenstunden sparen würde und sogar etwas einbringen könnte.
Würde man die Straßenränder erstens deutlich weniger mähen (einmal im Jahr) und zweitens mit einem Balkenmäher, könnte man das Schnittgut in Biogasanlagen verarbeiten und somit sinnvoll nutzen. Gegen das Aufkommen von Bäumen und Gebüsch in Straßennähe wäre das völlig ausreichend.
Denn durch das Liegenlassen wird die Artenvielfalt permanent verringert. Nährstoffarme Böden sind wesentlich artenreicher, das ist allgemein bekannt. Zudem haben nur starke Gräser die Möglichkeit die Mulchschicht zu durchdringen.
Aber auch Gemeindestraßen, Feldwege und sogar Waldwege werden neuerdings gemulcht. Mir kam letztens mitten im Wald ein Riesentraktor entgegen, der die Wegränder, die wundervollen Blumen und seltenen Gräser auf zwei Meter Breite kleinhäckselte. Eine Spur der Verwüstung lag schon hinter ihm!
Da Straßen und Wege zwei Ränder haben, addiert sich die Länge aller Straßen- und Wegränder in Deutschland auf mindestens eine Million Kilometer.
Die angrenzenden Flächen dazugerechnet ist dies ein Streifen von ca. 600 Kilometer Länge und 50 Kilometer Breite durch ganz Deutschland. Man kann sich ausrechnen, wie hoch hier das wirtschaftliche Potential ist und wieviel man gleichzeitig für den Artenschutz erreichen könnte.

Würden wir Bürger gefragt, würden die meisten lieber in blühende Vielfalt und nicht in Maschinen für „ordentliche“ Flächen investieren. Daher mein Appell an alle Verantwortlichen!
Überdenkt dieses Vorgehen und macht die ersten Schritte in Richtung verantwortungsvolleren Umgang mit unserer Welt! Sie ist nicht unsere „Um“welt sondern wir sind ein abhängiger Teil von ihr!

Mit hoffnungsvollen Grüßen

Karin Pohl

2 Kommentare

  • Edith Bögel-Lamprecht

    Hallo Frau Pohl, ich kann dem ganzen Artikel von Anfang bis Ende zustimmen. Aber um etwas positives in Sachen Natur zu berichten: bei uns gibt es eine große Firma, die neue Zufahrten gemacht hat und in dem Rahmen neue große Verkehrsinseln, sowie Beetabgrenzungen zum Radweg entstanden sind. Diese wurden im letzten Frühjahr mit Wildblumenmischungen besäht. Traumhaft. Es machte sogar Freude an der roten Ampel zu warten und den Anblick zu genießen. Das sollte Im Städtchen auch Schule machen, nicht immer farbige Primeln und Co. und ständiges Unkrautjäten…Lg aus dem Münsterland Edith

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